8. Füllstoffe


Vorab möchte ich erwähnen, dass bei jedem Wechsel des Implantats - sei es wegen Kapelfibrose oder Überalterung - die Kapsel, die der Körper IMMER um jeden Fremdkörper bildet, mit entfernt wird. Das heisst, dass das Eigengewebe immer weniger wird und das Implantat immer größer gewählt werden muss, will man die ursprüngliche Größe erhalten. Da frau hierüber meistens nicht aufgeklärt wird, hier die Information.

a) Silikon

Sie haben sicher selbst in der Presse verfolgt, dass Silikon ein umstrittener Stoff ist, von dem neuerdings wieder behauptet wird, dass er nicht zu den bekannten Schädigungen führt. In mehreren Studien konnte nicht nachgewiesen werden, dass Silikon die genannten Schäden verursacht. Es wird vermutet, dass eine körpereigene Allergie diese Probleme begünstigt. Ich selbst kenne eine Frau (Frankfurter Selbsthilfegruppe silikongeschädigter Frauen), die schwer erkrankt ist nach dem Aufbau mit einem Silikonkissen vor ca. 25 Jahren und der die Universität in Münster bestätigt hat, dass einige ihre Organe, besonders die Leber, Silikon enthalten. Sie hat mir erzählt, dass sie gefallen ist und das Kissen dabei platzte. Ich weiß allerdings nicht, welches Präparat sie hat und wann es eingepflanzt wurde. Möglicherweise ist es eines der ersten Generation (dünnwandig und mit flüssigem Inhalt). Auch hat sie nicht sofort einen Arzt aufgesucht. Diese Frau hat sich kürzlich (2008) bei mir per Email gemeldet. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Des weiteren habe ich eine Frau kennen gelernt, die 30 Jahre lang ohne Überprüfung und ohne Austausch (!) mit ihren beiden Silikonimplantaten problemlos gelebt hat und erst zwei Jahre ! nach einem Sturz wegen Beschwerden den Arzt aufsuchte. Dabei wurde festgestellt, dass ein Kissen geplatzt war, Silikon in den Körper gelangte (1 Lymphknoten war befallen) und eine Kapselfibrose verursacht hat.

Es gibt ein Silikonkissen der amerikanischen Firma McGhan, McGhan Ltd. Kilbride Industrial Estate, Arklow, County Wicklow, Ireland, mailto:customerservice@inamed.ie, das eine 1,9 mm dicke, rauhe/texturierte Hülle hat und mit einem kohäsiven (die Inhaltsstoffteilchen stoßen sich nicht ab, sondern ziehen sich an) Material gefüllt ist. Dieses Silikon hat eine Konsistenz, die einer Gelatine ähnlich ist und fließt bei Verletzung nicht. Dieses Kissen gibt es in rund und in Tropfenform (anatomisches Implantat), ähnelt also in seiner Form der normalen Brust. Allerdings habe ich schon gehört, dass sich dieses Kissen drehen kann. Da aber der Körper innerhalb weniger Tage um jeden Fremdkörper eine Kapsel bildet, ist das Kissen schnell in seiner Lage stabilisiert und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Patientin wahrscheinlich noch im Krankenhaus befindet und der Arzt es mit geringem Aufwand wieder in die richtige Lage bringen kann. Zudem hat sich das Tragen eines sog. "Stuttgarter Gürtels" (Spezial-BH) durchgesetzt, der das Kissen in seiner Lage hält.

Vorteil: Die meisten Ärzte, die ich gesprochen habe, bevorzugen Silikonkissen, da sie wegen der Konsistenz das optisch schönste Ergebnis damit erzielen können.

Nachteil: Frau merkt evtl. nicht, wenn bei einem Sturz die Kapsel und evtl. auch die Hülle eine Ruptur erfährt, da das Silikon wegen seiner flüssigen oder leicht gelartigen Substanz nur sehr langsam von der Lymphe abtransportiert wird und erst bei einer Durchleuchtung oder Veränderung der Brustgröße auffällt, dass etwas nicht in Ordnung ist (deshalb: Kernspintomografie bei traumatischen Einwirkungen!!!). Nachdem in USA der Prozess gegen die Firma Dow Corning gelaufen ist, hat natürlich jetzt jeder Hersteller ein eigenes Interesse daran, Produkte in einer Qualität auf den Markt zu bringen, die zu keinen Schadenersatzforderungen Anlass bieten.

Die Firma Polytech/Silimed stellt neben einer Reihe von kohäsiven Implantaten verschiedener Formen in "angerauhten" Hüllen auch solche her, die mit Polyurethan beschichtet sind. Gemäß Aussage eines plastischen Chirurgen verwächst die texturierte Oberfläche (mit Polyurethanschaum) dermaßen stark mit dem Bindegewebe, dass ein Entfernen des Kissens nicht ganz problemlos ist. Andererseits wird es jedoch vom Körper hervorragend akzeptiert, d. h. es kommt nur in wenigen Fällen zu der gefürchteten Kapselfibrose (Polyurethanschaum löst sich lt. Aussage eines Chirurgen nach einiger Zeit angeblich in Flocken vom Implantat ab und bleibt im Gewebe des Körpers stark verwachsen). Ausserdem ist noch nicht hinreichend geklärt, ob Polyurethan im Gewebe Krebs hervorrufen kann. Ferner gibt es von Polytech Kissen mit einem sog. "Memory-Effekt", d. h. das hochvernetzte Silikongel nimmt immer wieder dieselbe, vorgegebene Form an, was z. B. bei der Operation durch Einbringen des Kissens bei kleiner Schnittführung (z. B. rund um die Mamille) von Bedeutung ist. Mittlerweile sind diese Kissen sehr weich und ähneln der Konsistenz der normalen Brust. Polytech hat darüber hinaus eine Methode entwickelt, von der gesunden Brust einen Abdruck zu machen und exakt nach dem Volumen und dem Aussehen der Negativform ein identisches Implantat für die Gegenseite herzustellen. Dies ist natürlich ein gewaltiger Fortschritt auf dem Gebiet des Brustaufbaus. Damit die aufgebaute Brust beim Vornüberbeugen aber auch mitschwingen kann, muss der Operateur darauf achten, genügend Weichteilgewebe unterhalb "einzubauen". Man sollte sich deshalb mit der Wahl seines plastischen Chirurgen Zeit lassen und jemanden suchen, der auf diesem Gebiet genügend Erfahrung hat.

Silikone und Sicherheit:

Silikone finden schon seit über 50 Jahren in den verschiedensten Bereichen Anwendung. Sie werden sowohl im täglichen Leben, als auch in der Medizin verwendet. Unter den Materialien, die in der Medizin zur Anwendung kommen, ist Silikon eines der am intensivsten erforschten Materialien, das umfangreichen Sicherheitstest unterzogen wurde. Silikone sind in der pharmazeutischen und lebensmittelverarbeitenden Industrie weit verbreitet und kommen in vielen medizinischen Gegenständen wie z. B. Herzschrittmachern, künstlichen Herzklappen, Nahtmaterialien, Gleitmittel und Überzügen von Injektionsnadeln und Spritzen sowie Plasma- und Blutbeuteln vor. Silikone befinden sich auch in Pudding, Backmischungen, Erfrischungsgetränken, Lippenstift, Körperlotion, Zahnpasta, Sonnencreme, Deodorant, Haarspray, Bettwäsche, Kleidung, Papiertücher und Babypflegeprodukten.

Lesen Sie zu dem Thema Füllstoffe und Sicherheit auch die Leitlinien der FDA.

b) Kochsalzlösung

Kochsalzlösung scheint das ungefährlichste Material zu sein. Wenn die Kissenhülle defekt ist, läuft die Lösung allmählich in den Körper, richtet dort aber keine Schäden an und wird vom Körper laut Aussage eines Chirurgen vollständig abgebaut. Bei einem Sturz und der Verletzung der Kissenhülle hat man u. U. innerhalb von wenigen Stunden „keine Brust“ mehr. Ich persönlich finde dies aber vergleichsweise harmlos, da dies doch der beste Indikator ist, dass etwas mit dem Kissen nicht stimmt. Und ein neues Kissen zu erhalten, stellt - abgesehen von der erneuten Operation - kein besonderes Problem dar. Allerdings habe ich gehört, dass bei Kochsalzlösung hin und wieder das Kissen zur Faltenbildung und Gluckergeräuschen neigt. Deshalb „überfüllen“ es einige Operateure gern, wobei es dann zu einem relativ unterschiedlichen Aussehen der Brüste kommen kann und eine Angleichung der gesunden Brust aus optischen Gründen angeraten erscheint. (Dieses „Überfüllen von Kochsalzkissen“ kann ich mir eher bei einer beidseitigen Brustvergrößerung vorstellen, nicht aber bei einem einseitigen Aufbau.) Aufgrund von verschiedenen Kochsalz-Konzentrationen, die die Hersteller verwenden, habe ich schon herausoperierte leere Kissen mit haselnussgroßen Salzkristallen als Restbestand gesehen.

Viele Ärzte bevorzugen sog. 2-Kammer-Kissen mit Silikonkern und einem Kochsalzring. Doppelwandige Implantate nutzen den Vorteil der besseren Formgebung des Silikongels mit der größeren Sicherheit der Kochsalzlösung in einer zweiten Hülle, die bis auf die Größe der gesunden Gegenseite durch ein Ventilring auffüllbar ist.

Silikongel und Kochsalzlösung sind die bekanntesten und am besten untersuchten Füllmittel!

Die folgenden Informationen über Sojaöl, Triglyzerin und Hydrogel lasse ich vorerst in der Webseite, obwohl mit diesen Inhaltsstoffen gefüllte Implantate in europäischen Ländern inzwischen vom Markt genommen wurden. Es spuckt aber in den Köpfen von vielen Frauen noch das "angeblich sichere biologische Material" Sojaöl oder Hydrogel (Wasser), was zu einer Verunsicherung führen könnte. Des weiteren habe ich im Jahr 2003 auf einer Webseite eines Arztes noch die Empfehlung für Sojaöl gefunden, obwohl es bereits verboten war.

c) Sojaöl

Bringt optisch schöne Ergebnisse. Man spricht allerdings davon, dass im Sojaöl Verunreinigungen/Keime sind, die durch ein „Bleeding“ in den Körper gelangen können. Auch ist nicht bekannt, ob das Öl mit der Silikonhülle langfristig reagiert und sie z. B. zersetzt. M. E. ist diese Methode noch nicht sehr ausgereift.

Zwischenzeitlich habe ich von einem Chirurgen erfahren, dass die Sojaölimplantate vom Markt genommen seien. Es wird ranzig, flockt aus und riecht (Sendung: Gesundheitsmagazin Praxis vom Sommer 98). Ein Chirurg, der ein Sojaölimplantat herausoperiert hatte, sprach von schwarzem, stinkendem schaumigem Öl. Er schließt daraus, dass es in naher Zukunft noch einige Probleme mit bereits implantierten Sojaölpräparaten geben wird. Frauen, die bereits ein Sojaölimplantat erhalten haben würde ich empfehlen, es schnellstens gegen ein anderes Material austauschen zu lassen.

d) Triglyzerin

Über das Produkt „Trilucent“ eines Schweizer Herstellers liegt mir eine schriftliche Information vor. Sie sagt in Bezug auf mögliche Risiken folgendes aus: Kapselkontraktur, Schrumpfen des Implantats, Infektion, Faltenbildung und Kräuselung, Ruptur während der OP. Verweildauer kann nicht gemacht werden. Bei amerikanischen Ärzten ist das Material „Triplid Z 6“ (biokompatibles Füllmaterial) sehr umstritten. Bestandteil: Gereinigtes, neutrales Triglyzerid aus hochveredeltem Sojaöl (Risiken siehe Sojaöl).

Informationen zu Sojaöl-gefüllten Brustimplantaten (Trilucent)

Im Anschluss an den im März 1999 durchgeführten Rückruf der Trilucent-Brustimplantate wegen unzureichender toxikologischer Daten hat die britische Medical Devices Agency (MDA) als für diesen Fall federführende europäische Behörde weitere Untersuchungen veranlasst. Aus den jetzt vorliegenden vorläufigen Ergebnissen ergibt sich nach Auffassung der MDA und einer von dieser hinzugezogenen Sachverständigengruppe der Verdacht auf eine potentielle Gefährdung durch toxische Effekte der entstehenden Abbauprodukte.

Obwohl bisher keine Fälle schwerwiegender Schädigungen durch Trilucent-Brustimplantate bekannt geworden sind, empfiehlt die MDA vorsorglich, eine Explantation in Erwägung zu ziehen (insbesondere bei bestehenden Beschwerden und bei Kinderwunsch) und bis zur Entfernung des Implantats eine Schwangerschaft zu vermeiden und auf das Stillen zu verzichten.

Die Ärzteschaft in Deutschland ist über das Vorgehen und die Folgerungen der MDA informiert. Das BfArM empfiehlt den betroffenen Frauen, sich mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das BfArM wird die vorliegenden Daten und künftige Untersuchungsergebnisse in Zusammenarbeit mit der MDA bewerten und etwaige neue Erkenntnisse beziehungsweise Empfehlungen mitteilen.

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bonn


Die Firma AEI Inc. als Rechtsnachfolger des Herstellers der Trilucent-Implantate hat auf Anfrage der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen VDPC bestätigt, daß sie die Kosten für Operation, Narkose und neue Implantate übernehmen wird.

e) Hydrogel

Hydrogel bringt optisch ebenso schöne Ergebnisse wie Silikon und soll ungefährlich sein. Ob aber alle Produzenten dieselbe Rezeptur benutzen, ist mir nicht bekannt. Ich kenne Frauen, die mit Hydrogel sehr zufrieden sind,aber den Aufbau noch nicht lange haben. Hydrogel ist ein vergleichsweise junger Inhaltsstoff, mit dem viele Ärzte noch keine Langzeiterfahrungen gemacht haben. Unter Umständen kann es hier zu Veränderungen des Volumens und der Konsistenz kommen.

Der folgende Kommentar wurde unter Vorbehalt des Aspektes der fehlenden medizinischen Kompetenz von Hochschul.-Doz. Dr. Reiner Dahint, Angewandte Physikalische Chemie, Uni-Heidelberg, abgegeben:

» Bei Hydrogelen handelt es sich um Polymernetzwerke, in deren Hohlräume große Mengen Wasser eingelagert sind. Typischerweise beträgt der Wasseranteil 85% bis 95% der Gesamtmasse des Materials. Das Material liegt somit üblicherweise in einem stark gequollenen Zustand vor.

Die Fähigkeit des Polymernetzwerkes, Wasser aufzunehmen, und somit der Quellgrad, kann jedoch durch Änderungen der Umgebungsbedingungen beeinflusst werden. So können z. B. Änderungen der Temperatur dazu führen, dass sich die Menge aufgenommenen Wassers ändert und Quell- bzw. Schrumpfungsprozesse hervorgerufen werden. Ein ähnliches Verhalten kann auftreten, wenn sich der Ionengehalt oder der pH-Wert des eingelagerten Wassers ändert bzw. bestimmte Gase oder Lösungsmittel absorbiert werden.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass solche Effekte nicht notwendigerweise auftreten muessen. Ob und welche Effekte beobachtet werden, hängt von der speziellen Kombination aus Umwelteinflüssen und chemischer Zusammensetzung des Polymernetzwerkes ab. Oder anders gesagt: Wenn bekannt ist, welche Umwelteinflüsse zu erwarten sind, lässt sich durch die chemische Zusammensetzung des Polymernetzwerkes steuern, ob nennenswerte Volumenänderungen auftreten werden oder nicht. Im Falle von Implantaten ist es wichtig, das Polymernetzwerk so zu gestalten, dass sich das Hydrogel unter den Umgebungsbedingungen inert verhält. «

Die Produkte NOVAGOLDTM und PIP wurden in England vom Markt genommen (08/2000). Die MDA (Medical Advices Agency begründet dies damit, dass über das Hydrogel-Füllmaterial noch zu wenige Erkenntnisse vorliegen. Auf der Website der MDA wurde eine Warnung vor Hydrogel-Implantaten ausgesprochen. Das Verbot bleibt bestehen, bis neue Erkenntnisse vorliegen.

MHRA Warnung Suchwort: Breast Implants

Mittlerweile gibt es neueste Erkennnisse zu Silikon-Implantaten von PIP. Sie wurden europaweit (12/2011)vom Markt genommen. Verwendung fand ein minderwertiges Gel, das für chirurgische Zwecke ungeeignet ist. Viele Kissen platzten und ein Krebsverdacht besteht. PIP-Implantate wurden auch unter dem Namen ROFIL und TiBreeze vertrieben. Frauen mit diesen Implantaten sollten sie schnellstmöglich entfernen lassen.






Stand: 06.09.2013