Brustaufbau
Eigengewebe und Implantate


Nippel/Areola Rekonstruktion in Kapitel 5 - 7


Um das eigene Selbstwertgefühl als "vollwertige" Frau wieder zu erlangen und sich im Alltag wieder sicherer zu fühlen ist es für viele Krebspatientinnen wichtig, sich die amputierte Brust wieder aufbauen zu lassen, zumal von Jahr zu Jahr jüngere Frauen betroffen sind. Heute gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, bei denen jede Frau für sich selbst entscheiden muss, nach welchen Kriterien sie ihre Auswahl trifft. Fast alle Methoden haben ihre Vorteile, aber leider auch Nachteile und sind z. T. auch abhängig von der postoperativen körperlichen Situation. Viele Frauen sind bereit, die Operation in Kauf zu nehmen, nur um wieder eine "komplette" Optik und psychische Stabilität zu erreichen.

Die gängigsten Möglichkeiten möchte ich hier aufzählen. Da ich keine ärztliche Vorbildung habe und nur "nach Gehör" von vielen Betroffenen, rund einem Dutzend Ärzte in Deutschland von Düsseldorf bis Stuttgart und durch Broschüren und medizinischer Fachliteratur über die diversen Methoden Kenntnis erhalten habe, bitte ich um Nachsicht, wenn ich mich nur ansatzweise und laienhaft, d.h. fachlich nicht ganz korrekt, ausdrücken kann. Für die Genauigkeit und Ausführlichkeit kann ich keine Gewähr übernehmen. Ich versuche hier nur, etwas Hilfestellung zu geben, da ich weiß, wie mühsam die Suche nach geeigneten Ärzten, Methoden und Materialien ist.

Man unterscheidet beim Brustaufbau mit Implantat zwei verschiedene Platzierungen:

- unter den Brustmuskel

- unter die Haut

Beim Platzieren des Kissens unter den Brustmuskel (subpectoral) wird i. d. R. das Kissen vom Körper besser akzeptiert, d. h. die Kapselfibrose (s. Kapitel 5) kann weniger auffällig sein, d. h. im Stadium 1 stehen bleiben. Diese Operation ist aufwendiger als das Platzieren direkt unter die Haut, da der Brustmuskel von den Rippenbögen abgehoben werden muss. Er bleibt dann durch Kompression durch Verband und Kommpressions-BH in seiner neuen Lage und befestigt sich wieder durch Bindegewebsfasern am neuen Platz, weil er sonst das Kissen hochdrücken würde in Richtung Schlüsselbein.

Vorteil bei dieser Methode ist, dass - wie o. a. - angeblich der Körper weniger Kapselfibrose bildet als bei der subcutanen Operation (die Rate soll bei nur ca. 7 % liegen). Das Implantat ist außerdem durch den darüber liegenden Muskel besser geschützt und kann nicht gefühlt/getastet werden.

Nachteil: Bei sportlich aktiven Frauen wird das Implantat immer mitbewegt (Handicap im Fitness-Studio). Eigene Erfahrung: Frau kann diesen Muskel separat anspannen wie ein Bodybuilder.

Beim Platzieren des Kissens unter die Haut (subcutan) wird das Kissen zwischen die Haut und den Brustmuskel geschoben. Dafür wird vorher die alte Narbe ausgeschnitten und vom Operateur eine Tasche geschaffen, die das Kissen aufnehmen soll. Diese Methode hat den Vorteil, dass die Operation nicht so lange dauert und das Kissen bei einem Wechsel - aus welchen Gründen auch immer - relativ unproblematisch und schnell wieder entfernt werden kann. Schöne Optik.

Nachteil: Das Implantat ist durch die Haut leichter zu spüren. Außerdem liegt bei dieser Methode angeblich die Kapselfibroserate relativ hoch, nämlich bei ca. 20 - 25 %.


Bei der Einbringung von Implantaten wird i.d.R. die "altersbedingte Überhängung der Brust" (Ptose) nicht nachgebildet. Dies ist zwar möglich durch eine aufwändige Präparation des Gewebes (wiederum eine Art Lappenplastik innerhalb des Brustaufbaus), schließt aber Risiken der Minderdurchblutung ein. Durch das "Vernachlässigen" dieser Nachbildung der natürlichen Optik wird sich die gesunde Seite altersbedingt senken, während die operierte Seite keine oder nur eine geringe Ptose aufweist. Die Ptose ist auch abhängig von der Struktur des eingebrachten Gewebestücks. Z. B. ist das Gewebestück aus dem S-GAP wesentlich fester. Eine Ptose findet bei durch die mit S-GAP aufgebaute Brust kaum statt. Das führt mit der Zeit zu einer immer größer werdenden optischen Differenz zwischen Implantatseite und gesunder Brust.



BRUSTAUFBAU MIT EIGENGEWEBE



Übersicht der Universität Erlangen
Moderne Möglichkeiten der rekonstruktiven und plastischen Mammachirurgie"




LATISSIMUS DORSI LAPPEN
Hierbei wird der ganze oder ein Teil des Latissimus dorsi (der lange Rückenmuskel) einseitig abgetrennt oder ein Teil davon, unter der Achsel durchgeführt und im Frontbereich zur Brust geformt. Bei der Verlagerung bleibt die Blutversorgung des Muskels erhalten, sodass man ihn mikrochirurgisch nicht neu an das Gefäßsystem der Brustwand anschließen muss. Die Unterbrustfalte bleibt bei einer Sofortrekonstruktion erhalten. Die Ergebnisse können optisch sehr gut werden, da der Sitz und die Größe durch in diesem Fall durch die hautsparende Mastektomie vorgegeben ist.

Die Entnahmestelle am Rücken wird direkt verschlossen. Die zurückbleibende Narbe verläuft quer und lässt sich durch den BH-Verschluss gut verdecken.

Oft wird hier, weil der Latissimus nicht ausreicht, noch ein Silikonkissen zusätzlich genommen, um die Formgebung zu optimieren. Diese Verfahren sind von der Operation sehr aufwendig, hinterlassen lange/breite Narben, die z. T. noch einmal nachkorrigiert werden müssen, haben aber den Vorteil, dass der Körper sich (ohne Implantat) nicht auf Fremdgewebe einstellen muss und keine Abstoßreaktion erfolgt. Die Optik der Brust wird (ohne Implantat) nicht so schön werden wie vorher, aber man hat dann für den Rest seines Lebens keine neue Operation durchzumachen, es sei denn, ein neuer Tumor bildet sich. Der Verlust des Latissimus für manche Bewegungsabläufe sollte allerdings nicht unterschätzt werden, außerdem leiden manche Frauen später unter beträchtlichen Narbenschmerzen am Rücken.

Eine Sofortrekonstruktion mit hautsparender Mastektomie kann auch mit den nachstehend genannten Verfahren durchgeführt werden.

Im Gegensatz zum TRAM-flap kann es bei der Verwendung des Latissimus dorsi durch Muskelschwund nachträglich zu einer deutlich sichtbaren Verringerung des Volumens kommen. Dies lässt sich im voraus nicht berechnen und macht u.U. eine Korrektur notwendig. Hautfarbe und Struktur des Latissimus dorsi unterscheidet sich von dem gesunden Brustgewebe stärker als der TRAM-flap von der Spenderregion des Unterbauchs.

Brustaufbau mit dem Latissimus dorsi



FLEUR-DE-LIS
Unter einem Latissimus dorsi mit Fleur-de lis versteht man ein dreieckiges Gewebestück, welches ohne Hautmantel direkt angrenzend an das eliptische zweizipfelige Gewebeentnahmestück mit transplantiert wird. Der Vorteil liegt darin, dass erstens der Hebedefekt gut geschlossen werden kann, weil die Haut des Fleur-de lis nicht entnommen wurde und zweitens dadurch das Eigengewebestück wesentlich größer ist und unter Umständen den Einsatz eines zusätzlichen Silikonkissens überflüssig macht.
(Lit: N.Fersis, K. Relakis, G. Bastert, D. Wallwiener: "Autologe Brustrekonstruktion mittels M.-latissimus-dorsi-Lappen: Analyse der ästhetischen Resultate und der Komplikationen nach Anwendung der "Fleur-de-lis"-Technik")


TRANSVERSER RECTUS ABDOMINALIS MUSKELLAPPEN (TRAM-flap)
a. "gestielter" TRAM-Flap
Ein spindelförmiges Muskelstück mit Haut und Unterhautfettgewebe wird am Unterbauch entnommen (TRAM-flap), mit den Versorgungsleitungen (doppelt oder einfach gestielt, d. h. an einer oder zwei Gefäßleitung/en) unter der Haut durchgezogen und im Bereich der Brust eingesetzt und entsprechend geformt. Dem Vorteil, dass kein Fremdmaterial verwendet wird, steht gegenüber, dass es sich um einen großen, langwierigen 6-Stunden-Eingriff handelt, dass Narben an der Brust und am Bauch entstehen und dass die Gefahr von Bauchwandbrüchen (Hernien) am Entnahmeort erhöht ist weil der Muskel entnommen ist. Mittlerweile ist es schon möglich, lediglich ein kleines Muskelstück zusammen mit Fettgewebe zu verpflanzen. Häufig wird hier ein Kunststoffnetz (TiMeshTc= Titannetz der Firma Rökona, Tübingen, GfE, Nürnberg) eingezogen, das die Gefahr von Bauchwandbrüchen verhindert.

Information über die Wirkungsweise von Titannetzen


b. "freier" TRAM-Flap
Beim freien TRAM-Flap, wird das gleiche Muskelstück mit Venen- und Arterienteil frei präpariert und im Bereich der Brustwand an neue Blutversorgung angeschlossen.

Zitat aus einer Ärzte-Email: "Viele Patientinnen kommen mit dem Wunsch einer DIEP-Rekonstruktion, haben aber leider schon eine DELAY-Operation (Stromumkehr durch Unterbindung der Vasa epigastrica inferior beidseits) hinter sich, d.h. die unteren epigastrischen Gefäße sind durchtrennt worden und eine DIEP-Operation ist nicht mehr möglich. Leider erfolgt diese Operation allzu häufig schon in der gleichen Sitzung mit der Mastektomie, im Prinzip ohne dass die Patientinnen wissen, was dies bedeutet."

Auch bei dem gestielten TRAM wird die Bauchwand geschwächt, bei beiden Verfahren entsteht eine große Narbe von Hüftknochen zu Hüftknochen, vergleichbar einer Kaiserschnittnarbe. Der Bauchnabel wird neu gestielt.
(Lit.: T.J. Galla, B. Lukas, A.-M. Feller: "Gestielter versus freier TRAM-Lappen zur Mammarekonstruktion" [pedicled versus free TRAM-flap for breast reconstruction])

Ein weiterer Nachteil des TRAM ist, dass die Unterleibsorgane keine "Schutzdecke" mehr über sich haben. Gerade der Kälteschutz ist sehr wichtig und wird oft unterschätzt. Alles in allem ist der TRAM eine veraltete Methode und wurde durch den freien DIEP abgelöst.

"Titanisierter Kunststoff" als Bauchdeckenstabilisation beim TRAM Titan ist für die Anwendung am menschlichen Körper ein idealer Werkstoff, da keinerlei Abstoßungsreaktionen auftreten. Das Netz selbst besteht aus dem in der Medizin seit Jahrzehnten bewährten Kunststoff Polypropylen, die vollständige Beschichtung mit Titan führt dazu, dass der Körper den Kunststoff nicht mehr "entdeckt". Die Titanschicht ist so dünn, dass sie sich genauso flexibel wie der Kunststoff verhält. Entscheidender Vorteil der Titanisierung ist: der Körper kommt nur noch mit dem bioverträglichen Titan in Kontakt und akzeptiert die titanisierten Implantate ein Leben lang. Langzeitergebnisse liegen noch nicht vor. Es bleibt anzuwarten, ob sich die Erwartungen in die neuen Implantate erfüllen werden. Allerdings führt die Titanbeschichtung im MRT zu Bildstörungen, weil es lokal das homogene Magnetfeld stört. Neben dem verwendeten Material wirkt sich die Geometrie eines Instruments oder Implantats auf die lokale Magnetfeldverzerrung aus. Das Tübinger Team um Prof. Dr. Dr. Fritz Schick hat ein Computermodell entwickelt, mit dem diese Feldverzerrung von beliebig geformten Objekten im MRT berechnet werden kann. Dabei berücksichtigt das Modell die magnetischen sowie die geometrischen Eigenschaften des Objekts und wie sich diese auf das Magnetfeld des Tomographen auswirken. Das Metall Bismut könnte hier eine Hilfe bieten, weil es ein Magnetfeld abschwächt . Es konnte einerseits mit dem neu entwickelten Computermodell und andererseits mit einem Test im MRT belegt werden, dass mit Bismut beschichtete Titandrähte einen geringer verzerrenden Einfluss auf das lokale Magnetfeld haben." die entsprechende Seite des Bundesministerium für Bildung und Forschung ist derzeit nicht mehr im Netz auffindbar.


DEEP INFERIOR EPIGASTRIC PERFORATOR LAPPEN (Diep-Flap) und SIEA-Flap
Das dritte Standardverfahren für die Brustrekonstruktion mit Eigengewebe ist der DIEP-Lappen. Bei dieser Methode wird das Unterbauchfettgewebe mit dem Hautstück zur Brustregion verlagert und im Bereich des Thorax an neue Venen- und Arterienversorgung angeschlossen. Anschließend formt der Chirurg den Lappen entsprechend der gesunden Brust.

Im Gegensatz zum TRAM-Lappen besitzt der DIEP-Lappen keine Bauchmuskelanteile. Dadurch bleibt die Bauchwand in ihrer Struktur intakt und stabil. Da ein trainierter Bauchmuskel ein "Gegengewicht" zur Wirbelsäule bildet, sollte man vor allem bei Skoliose und Problemen mit der Wirbelsäule von dem Aufbau mit TRAM Abstand nehmen und sich anderen Methoden zuwenden.

Der Diep-Lappen wird deshalb als eine Weiterentwicklung des TRAM-Flaps bezeichnet. Damit der DIEP-Lappen aber auch nach der Verlagerung vom Unterbauch zur Brustregion mit Blut versorgt wird, muss der Operateur die Lappengefäße mikrochirurgisch mit den Brustwandgefäßen oder Axillagefäßen verbinden. Die Narbe verläuft quer über den Unterbauch wie beim TRAM-Flap. Der Bauchnabel wird entfernt und muss neu gestielt werden. M. E. eignet sich der DIEP am besten zur Brustwiederherstellung, weil der entnommene Lappen von der Hautfarbe und der Konsistenz am ehesten mit der Brust vergleichbar ist und der Lappen weniger auffällig ist als z. B. der S-GAP, der von der Hautfarbe anders und vom Gewebe her wesentlich fester ist als die Brust.
(Lit.: T.J. Galla, A.-M. Feller: "Brustrekonstruktion mit dem Vasa epigastrica inferior-Perforanslappen" [Breast Reconstruction with the Deep inferior Epigastric Perforator Flap])

Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Patientin in der ersten Zeit nach der OP unter sehr großen Bewegungseinschränkungen leiden könnte, da der Oberbauchbereich bis zu den Rippen gelöst und bis zur Höhe des Schambeins heruntergezogen werden muss, um den Entnahmedefekt zu schließen. Dadurch ergibt sich eine große Spannung und die Patientin kann sich anfänglich - abhängig von der Hautbeschaffenheit - nur gekrümmt bewegen, bis sich die Haut wieder gedehnt hat. Große Belastungen wie Heben und Tragen von mittelschweren Lasten sollte in der ersten Zeit unter allen Umständen vermieden werden.

PUP-Lappen
Der Paraumbilikale Perforatorlappen (PUP) ist eine Modifikation des DIEP-Lappens. Es handelt sich dabei auch um einen Perforatorlappen vom Unterbauch. Der gesamte Haut-Fettlappen wird zum Unterschied zum DIEP-Lappen nur von einem paraumbilikalen (nabelnahen) Perforator mit Blut versorgt. Der Hebedefekt ist dabei geringer als beim DIEP-Lappen da die Bauchwand nur an einer kleinen Stelle eröffnet werden muß und der Musculus rectus abdominis (Bauchmuskel) überhaupt nicht geschädigt wird. Dieser Lappen kann jedoch nur dann verwendet werden, wenn dieser paraumbilikale Perforator groß genug ist um den Lappen zu versorgen. Man muß mikrochirurgisch sehr erfahren sein, wenn man diesen Lappen verwenden will.
(Lit.: Der modifizierte freie paraumbilicale Perforations-Lappen - Der nächste logische Schritt in der Brustrekonstruktion: Thomas Schoeller, M.D., Thomas Bauer, M.D., Raffi Gurunluoglu, M.D., Heribert Hussel, M.D., Angela Otto-Schoeller, M.D. Hildegunde Piza-Katzer, M.D. und Gottfried Wechselberger, M.D., Feb. 2002 )

Patientinnen mit diversen Voroperationen (Amputation, Expandereinlage, Fettabsaugung, Kaiserschnitt, diversen Bauchoperationen usw.) tragen bei der Rekonstruktion mit TRAM-Flap oder DIEP-Flap ein größeres Risiko wegen der Minderdurchblutung bei Narbengewebe, ebenso Raucherinnen und Diabetikerinnen. Die Wundheilung kann in diesen Fällen u.U. gestört sein.

In den Fällen, in denen die Operation gut verläuft und keine Komplikationen entstehen ist der Vorteil für die Patientinnen ganz beträchtlich, da gleichzeitig mit dem Brustaufbau eine Bauchstraffung vorgenommen wird. Durch die nachfolgende Kompression für 4 - 6 Wochen wird im Bauchbereich ein dauerhaft gutes Ergebnis erzielt.

Die einzelnen Methoden werden hier sehr anschaulich schematisch dargestellt. Schemazeichnungen


Der SIEA-Flap (Superficial inferior epigastric artery) ist vergleichbar mit dem DIEP-Flap und ermöglicht die schonendste Brustrekonstruktion. Dieses axiale Lappentransplantat wird durch die in 72 Prozent ausreichend großkalibrige Arteria epigastrica superficialis versorgt. Diese Technik bietet den Vorteil des geringen Hebedefekts, weil die vordere Rektusfaszie nicht eröffnet wird. Dies entscheidet sich erst während des Eingriffs. Der SIEA-Flap hinterlässt kaum Hebedefekt, ist aber leider nicht in allen Fällen machbar.


S-GAP (superior (oberer) gluteal artery perforator-flap)
Das Verfahren mit dem S-GAP wird in Deutschland nicht sehr häufig angewendet. Dabei wird ein Gewebe- und Hautstück des verlängerten Rückens verwendet. Man unterscheidet einen "oberen" und einen "unteren" (inferior) Gap-flap. Der GAP-flap kommt bei Frauen infrage, die evtl. durch Kaiserschnitt-Geburten große Narbengewebeareale am Unterbauch haben und deren Latissimus dorsi-Lappen zu klein ist und die sich nicht mit Implantaten aus Silikon oder Kochsalz anfreunden möchten und auf Eigengewebe Wert legen. Man nimmt jeweils dieselbe Seite des S-GAP, die mit der aufzubauenden Seite der Brust identisch ist (ipsilateral).

Der S-GAP birgt geringe Risiken, der Heilungsprozess ist relativ unproblematisch, die Patientin ist schnell wieder belastbar. Die Haut ist ein wenig derber als die Unterbauchhaut und das Gewebe etwas anders strukturiert, so dass der Operateur große Sorgfalt beim Formen der Brust walten lassen muss.
(Lit: A.-M. Feller, I. Richter-Heine, K.-D. Rudolf "Der Superior Gluteal Artery Perforator Flap")

Zusammenfassung

Der obere Gluteallappen als freies Transplantat zur Brustrekonstruktion mit autologem Gewebe (S-GAP-Flap): Mit der Einführung der Perforanslappen ist zur Brustrekonstruktion mit autologem Gewebe die Glutealregion als Spenderareal neu untersucht worden. Mit dem S-GAP-Flap lässt sich eine Brust allein aus Fettgewebe und Haut der Gesäßregion rekonstruieren, ohne dass Anteile des M. glutaeus maximus zerstört werden müssen. Von 1997 bis 2002 wurden in der Klinik für Plastische und Handchirurgie des Behandlungszentrums Vogtareuth 52 S-GAP-Flaps zur Brustrekonstruktion mit einer Verlustrate von 7,7 % verwendet. Obwohl auch bei diesem Lappentransplantat eine deutliche Lernkurve mit initial höherer Verlustrate besteht, stellt es für uns heute eine zuverlässige Alternative zur Brustrekonstruktion ausschließlich mit autologem Gewebe dar, wenn das Unterbauchgewebe nicht zur Verfügung steht. (Prof. Feller war bis 2002 Leiter der Plastischen Chirurgie in Vogtareuth, jetzt Privatpraxis in München; siehe "Links")

FCI-Lappen ((fasciocutaner infragluteal)
Der FCI-Flap ist ein Lappen, der aus dem Gebiet über der unteren Umschlagfalte des Gesäßes mit seinen Venenverbindungen entnommen wird, was für den Operateur manchmal sehr schwierig ist wegen der passenden Durchmesser, die er benötigt, um den Lappen an der Blutversorgung im Brustbereich anzuschließen. Im günstigsten Fall kommt die Narbe beim FCI-Flap in der unteren Gesäßfalte zu liegen und ist dadurch kaum zu sehen. Da die Patientin auf der Narbe sitzt kann es in der ersten Zeit nach der Operation zu Schmerzen kommen bis alles verheilt ist. Der Vorteil dieser Methode ist, dass in Hosen die Entnahme kaum sichtbar ist im Gegensatz zum S-GAP bei dem der obere Gesäßteil durch die Entnahme abgeflacht wird und erkennbar sein kann.

Der FCI-Lappen wird auch I-GAP-Flap (inferior (unterer) gluteal artery perforator-flap) genannt und recht selten angewendet, da die Narbe genau unter der Pobacke läuft und bei Bewegung stark strapaziert wird bzw. beim Sitzen stören kann. Ich selbst hätte auch Vorbehalte wegen des Ischias-Nervs, der bei der Operation evtl. tangiert werden könnte.

Beschreibung Plastische Chirurgen entwickeln neue Techniken (Prof. A. M. Feller)

Vorher-/Nachher-Bilder (Quelle: The Center for Microsurgical Breast Reconstruction, 4429 Clara Street, Suite 440 New Orleans, Louisiana 70115)




GRAZILIS-PERFORATOR-LAPPEN („anterolateral thigh flap“)
Bei einem Brustaufbau mit dem Grazilis-Flap, wird - als häufig gewünschter Nebeneffekt im Zuge einer Oberschenkelstraffung - der frei präparierte Hauptgefäßstiel zum Brustaufbau verwendet. Dabei wird das längliche Gewebestück zu einem Konus gedreht und so eine Brustform nachgebildet. Das Fettgewebe ist feiner strukturiert als beim S-GAP und sehr gut formbar.
(Lit: A. Peek, M. Müller, K. Exner: "Der freie Grazilis-Perforator-Lappen zur autologen Brustrekonstruktion")


Der transverse myokutane Grazilis (TMG-)-Lappen zur Brustrekonstruktion

"..... Im Gegensatz (es wird zuerst auf die Operationsmethoden mit Verwendung des Unterbauchgewebes eingegangen) dazu liegt die Narbe nach Entnahme eines dorso-medialen Oberschenkellappens (in Form eines TMG-Lappens) äußerst versteckt in der natürlichen Beugefalte des Oberschenkels innenseitig, mit Ausläufen in der Infraglutealfalte."

Ergebnisse: In der Serie zeigte sich kein Lappenverlust. Die ästhetischen Ergebnisse der Rekonstruktion waren alle zufriedenstellend. Ebenso die Ergebnisse der Entnahmestelle, die weder ein funkionelles Defizit aufwiesen noch eine postoperative Konturasymmetrie noch SensibiLitätsstörung.

Schlussfolgerungen:
Der TMG-Lappen stellt für ausgewählte Patienten eine ideale Alternative zu den bisherigen Rekonstruktionsmöglichkeiten dar und ist sogar in einzelnen Fällen als 1. Wahl zu bevorzugen. Wir sind überzeugt, dass sich diese Methode in der Brustrekonstruktion in den kommenden Jahren etablieren wird sowohl ob der technischen Einfachheit der Lappenpräparation als auch wegen der günstigen Entnahmemorbidität.
(Lit.: Schoeller T., Wechselberger G. (Universitätsklinik für Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Innsbruck).
(Lit.: Erste Erfahrungen mit Brustrekonstruktionen durch freie Lappenplastiken vom Oberschenkel (TMG-Lappen)
O. Frerichs (1), A. Cervelli (2), S. Schirmer (1), H. Fansa (1)
(1) Städt. Klinik Bielefeld, Plastische Chirurgie, Bielefeld,
(2) Städt. Klinik Bielefeld, Zentrum für Frauenheilkunde, Bielefeld, Deutschland)



MAMMASPLITTING
Eine neue, erfolgreiche Methode verspricht das sog. "Mammasplitting". Operateuren der Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Campus Innenstadt, ist eine Mastektomie und Brustrekonstruktion in einer OP gelungen. „Bei einer 67-jährigen Patientin musste im Rahmen der Mammakarzinom-Operation, die rechte Brust komplett entfernt werden. Durch die Teilung der bestehenden linken Brust und den Transfer auf die andere Seite haben wir bei dieser Patientin erfolgreich eine Brustrekonstruktion in einem Operationsschritt durchgeführt“, sagte Darius Dian, leitender Oberarzt der Universitäts-Frauenklinik in der Maistraße.

Ärzteblatt

Informationsdienst Wissenschaft


BRUSTAUFBAU MIT SCHWEINEHAUTMATRIX (Strattice Reconstructive Tissue Matrix)
Als europaweit erstes Zentrum hat das Klinikum der Uni München ein neues Verfahren getestet, das offenbar schonender ist als die Standard-Methode und auf die Transplantation von köpereigenem Gewebe verzichtet.

Das neue Verfahren basiert auf der so genannten „Strattice Reconstructive Tissue Matrix“ – einem sterilen Gewebegerüst, das die Regeneration und den Aufbau von Brustgewebe unterstützt. Dieses Gerüst stammt aus der Unterhaut von Schweinen. Befreit von allen tierischen Zellen und anderen Stoffen löst es nach den bisherigen wenigen Erfahrungen keine Abstoßungsreaktionen aus. Das essentielle biomechanische Gerüst samt Blutgefäßen hingegen bleibt in seinem natürlichen Zustand erhalten, wird vom Empfänger erkannt und von dessen Körper angenommen.

Kommentar eines namhaften Plastischen Chirurgen: "...das von Großhadern so angepriesene Verfahren ist keineswegs neu und wird in den USA schon seit vielen Jahren bei Implantatrekonstruktionen verwendet. Es handelt sich dabei um eine azelluläre Matrix, die als Verstärkung des Haut-Weichteilmantels über das Silikongelimplantat eingelegt wird um hier einen dünnen Haut-Weichteilmantel zu verstärken. Wir selbst haben über 20 Patientinnen mit diesem Verfahren bisher operiert und dabei gute Erfolge gehabt. Die Anwendung der azellulären Matrix ist keineswegs ein neues Rekonstruktionsverfahren sondern dient lediglich der Verbesserung der Haut-Weichteilsituation bei Pat. bei denen ein Implantat zur Rekonstruktion verwendet wird...."



BRUSTAUFBAU MIT EIGENFETT (BEAULI-Methode und Coleman-Methode bzw. Lipofilling oder wasserassistierte Liposuktion (WAL))
Im März 2007 erschien in der weltweit führenden Zeitschrift für Plastische Chirurgie (PRS) ein Artikel vom Pionier der Fetttransplantation, Prof. Sidney Coleman über ausgezeichnete Ergebnisse bei Brustvergrößerungen oder Korrekturen. Gleichzeitig wurde auf dem Weltkongress in Berlin im Juli 2007 weitere Ergebnisse vorgestellt. Damit besteht jetzt ausreichend "Rückendeckung", diese ausgezeichnete Alternative zu herkömmlichen Vergrößerungen einzusetzen. Voraussetzung ist natürlich eine ausreichende Menge an Fett, welches zur Verpflanzung geeignet ist.

Dieses Verfahren wird sehr häufig bei kleineren Defekten und Unregelmäßigkeiten nach Brustrekonstruktionen (das sog. Lipofilling) mit mehr oder weniger gutem Ergebnis verwandt. Das Ergebnis nicht so sicher vorhersehbar, da zumindest Teile des eingespritzten Fettgewebes sich wieder resorbieren. Eine Brust nach Mastektomie vollständig mit Lipofilling aufzubauen, ist heute noch "experimentelle Chirurgie" und sicherlich nicht für den Alltagseinsatz geeignet. Bei Unregelmäßigkeiten oder kleinen Volumenasymmetrien, wäre dies aber sicherlich eine Möglichkeit, hier ausgleichend einzugreifen. Inzwischen berichten in den Krebsforen aber immer mehr Frauen über einen gesamten Aufbau mit Eigenfett, der zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen ist und freuen sich über eine neue Brust, die zwar ihre Zeit dauert, aber zum Erfolg geführt hat. Ein gewisser "Nachteil" besteht darin, dass frau 6 Wochen nach der Fettentnahme ein Kompressionsmieder an der abgesaugten Körperpartie tragen muss. Bei mehrmaligem Lipofilling hintereinander ist so ein Mieder über einen langen Zeitraum natürlich recht unbequem, zumal im Sommer.

Information über die "BEAULI-" und die "Coleman-Methode"
dann (klick) "Spektrum" und "Brustaufbau mit Eigenfett"

Eine sehr gute Übersicht über die gängigen Methoden, häufige Fragen und mögliche Komplikationen gibt folgende Seite:
Informationen zum Brustaufbau mit Eigengewebe

Video Teil 1
Video Teil 2

In der Zwischenzeit gibt es die ersten sehr positiven Erfahrungsberichte im Netz von Frauen, die sich dieser Methode unterzogen haben. Wichtig erscheint die Wahl des Operateurs, der sich von Anfang an mit dieser Methode beschäftigt hat und auf erfolgreiche Eigenfettverpflanzungen zurückblicken kann.

Zur Stabilisierung des neuen Brustgewebes wird ein sog.TiLOOP® Bra-Netzimplantat empfohlen. Es soll sich als gewebeunterstützendes Netzimplantat bei Brustrekonstruktionen eignen. Dank herausragender Biokompatibilität durch Polypropylen mit titanisierter Oberfläche wird es nicht als Fremdkörper wahrgenommen und ermöglicht es bessere Lebensqualität und kürzere Rekonvaleszenz durch minimale Entzündungsraten. Postoperative Schmerzen werden lt. Hersteller so vermieden.
 
TiLOOP-Netzimplantat-Hersteller

Es ist nicht einfach, in Deutschland die Spezialisten für bestimmte Operationstechniken zu finden. Nicht jeder Chirurg beherrscht das ganze Spektrum der Möglichkeiten des Brustaufbaus. Häufig werden an den Kliniken lediglich eine oder zwei Methoden angeboten, auf die sich der Plastische Chirurg spezialisiert hat, die sich aber nicht immer mit den körperlich gegebenen Voraussetzungen bei der Patientin vereinbaren lassen.

Der ästhetische Anspruch seitens der Chirurgen und der Patienten variiert sehr stark; es ist auch nicht immer alles darstellbar, was frau sich wünscht. Die Patientin sollte sich daher Bilder zeigen lassen, um besser einordnen zu können, ob ihre Vorstellung an Symmetrie, Form, Größe und Abstand der Brüste von einander in etwa von dem Chirurgen erfüllt werden kann.





Stand: 10.07.2013