Informationen für Betroffene, Freunde und Angehörige

Brustkrebs ist zwar kein neues, aber ein aktuelles Thema: In den letzten Jahren häuften sich die Fälle; die Betroffenen sind außerdem immer jünger. Die Forschung arbeitet daher mit Hochdruck auf diesem Gebiet und es hat sich in letzter Zeit auf dem medizinischen Sektor sehr viel getan.

Jeder Mensch schützt sich bei der Konfrontation mit lebensbedrohlichen Erkrankungen mit dem Gedanken "mich wird es schon nicht treffen". Und wenn es jemanden dann doch trifft, ist der oft mit Verbitterung gesprochene Satz "hätte ich das nur früher gewusst" ein Beleg dafür, dass wichtige oder notwendige Informationen zu spät kamen und Entscheidungen und deren Auswirkungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Lebensqualität und Lebensfreude hängen gerade bei und nach schweren Erkrankungen davon ab, wie gut Betroffene informiert sind und vorhandene Entscheidungsmöglichkeiten wahrgenommen werden konnten.

Der Erfahrung von Selbsthilfegruppen folgend, dass Informationen von Betroffenen in der Regel aktueller sind, als dies allgemeine Ratgeber sein können, stelle ich hier Informationen über verschiedene Möglichkeiten des Brustaufbaus nach Amputation zur Verfügung, die von mir erarbeitet wurden.

Wenn man der Statistik Glauben schenken darf, ist leider heute in Deutschland jede 10. Frau von dieser Krankheit betroffen, es werden immer mehr, und die Betroffenen sind immer jünger. In den meisten Fällen ertastet die Frau den Tumor selbst. Die Betroffene hat mit der heutigen Medizin gute Chancen, den Tumor zu überleben. Es kommt darauf an, die Krankheit im Frühstadium zu erwischen, d. h. wenn der Tumor noch klein ist, möglichst unter 1 cm Durchschnitt und noch nicht gestreut hat. Abgesehen von den Möglichkeiten der Krankenkassen, sich einmal jährlich einer Mammographie zu unterziehen, bietet die Selbstuntersuchung die beste Gewähr zur Früherkennung. Jede Frau sollte im Liegen und im Stehen einmal monatlich ihre Brust und den Achselbereich nach Knoten abtasten. Findet sich ein Knoten, ist dies nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis, denn Kalkablagerungen oder Zysten können ebenfalls einen Tastbefund ergeben. Wichtig ist es, sofort einen Radiologen aufzusuchen, um sich Gewissheit zu verschaffen, denn im Fall eines bösartigen Tumors zählt evtl. jeder Tag.

Die heutige Medizin ist in der Lage, für jede Brustkrebsart und Größe die entsprechende "Feindiagnose" und die dazu passende Behandlung zu bestimmen. In vielen Fällen ist eine brusterhaltende Operation möglich. Man unterteilt die Brust nach einem optischen Kreuzschnitt durch die Mitte der Brust in vier Quadranten und benennt die rechte/linke Seite "oben innen", "oben außen", "unten innen" und "unten außen". Bei entsprechender Diagnose und der Möglichkeit, z. B. brusterhaltend zu operieren, wird dann in diesem Quadrant entfernt und zwar aus Sicherheitsgründen ca. 1 cm im gesunden Gewebe und der Rest der Brust erhalten. In einigen Fällen, z. B. bei einem in die Milchgänge verzweigten Tumor oder wo ein Wachstum von mehreren kleinen Tumoren in der Brust zu vermuten ist, ist es aber oft unumgänglich, die ganze Brust zu entfernen. In jedem Fall werden einige Lymphknoten in der Achsel mit entfernt, noch während der Operation im sog. Schnellschnittverfahren Gewebeproben entnommen und in die Pathologie gebracht, sofort untersucht während die Patientin weiter in der Narkose liegt und erst, wenn der Befund über Telefon direkt in den OP-Saal gemeldet wird, kann entsprechend weiter operiert werden. Die Untersuchung der Lymphknoten ist besonders wichtig, weil sie evtl. Aufschluss darüber gibt, ob sich Tumorzellen bereits in den Körper ausgebreitet haben. Auch bei nicht befallenen Lymphknoten ist aber leider häufig (bei bis zu 30 % der Patienten) eine Metastasierung in den Körper festzustellen. Daher sollte auf jeden Fall eine Chemotherapie gemacht werden.

Mit der erst seit einigen Jahren verwendeten "neoadjuvanten Chemotherapie" kann man einen bereits relativ großen Tumor in vielen Fällen bereits vor der Operation verkleinern und dann eine brusterhaltende Operation durchführen.

Bei brusterhaltender Operation gehört heute eine Bestrahlung des verbliebenen Brustdrüsengewebes zum internationalen Standard. Einige Onkologen empfehlen sogar eine zusätzliche Chemotherapie (adjuvant = hilfsweise), um eventuell vorhandene Metastasen zu bekämpfen.

Jetzt muss nicht nur der Verlust der Brust oder bei der brusterhaltenden Operation die verschlechterte Optik verkraftet werden, es kommen auch noch viele Folgeuntersuchungen über Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre dazu. Da sich die Brusttumormetastasen häufig zuerst in der Knochensubstanz einnisten, wird das Skelett, dann aber auch Lunge und Leber tomographiert bzw. ein Knochenszintigramm angefertigt, damit man sieht, ob und ggf. wie weit sich der Krebs schon verbreitet hat. Bei Metastasen wird jetzt eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie begonnen, die heutzutage auf die Diagnose feinabgestimmt werden kann, was z. B. vor 10 Jahren noch nicht in diesem Maße möglich war. Damals hat man z. B. eine Chemotherapie häufig unter- oder überdosiert.

Die Chemotherapie hat außer dem Vorteil, jede Zell im Körper zu erreichen, auch große Nachteile. Es werden auch gesunde Zellen geschädigt, ehe man den Krebszellen den Garaus machen kann. Auch die Strahlentherapie ist belastend für die Betroffenen; allerdings erholt sich die Haut in den meisten Fällen nach einiger Zeit wieder. Aber oft sind diese Maßnahmen die einzige Chance zum Überleben. Stahl (Operation), Strahl (Bestrahlung) und Chemo (-therapie) sind nach wie vor die drei wichtigsten Säulen der Schulmedizin. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit der Einspritzung der Chemo direkt in den Tumor, Überhitzung und dadurch Austrocknung des Tumors (Hyperthermie), Hormontherapie, Verkleinerung des Tumors und dadurch evtl. die Chance, brusterhaltend zu operieren und andere Möglichkeiten, an denen die Forschung in aller Welt arbeitet.
Bei der Nachsorge (anfangs für 3 Jahre, später in größeren Abständen) einmal vierteljährlich wird das Blut auf verschiedene Werte hin untersucht; der u. a. ermittelte "Tumormarker" soll Aufschluss geben, ob sich wieder ein Krebsherd im Körper gebildet hat. Andere Bundesländer, z. B. Bayern, verzichten mittlerweile bei Brustkrebs ganz auf den Tumormarker, weil sich herausgestellt hat, dass er für diese Art von Krebs kein zuverlässiger Indikator ist und für andere Krebsarten geeigneter erscheint. Tumormarkerwerte lassen sich nie ganz eindeutig interpretieren, sagen aber auf jeden Fall etwas über den körperlichen Zustand (z. B. Entzündung im Körper) aus und sollten m. E. doch ernst genommen werden, da man evtl. frühzeitig aufmerksam wird und auf die Suche gehen kann, woher ein erhöhter Wert kommt.

Die Möglichkeiten der sog. "alternativen" Medizin sollen hier nicht unerwähnt bleiben: Mistelspritzen, Enzyme, Vitamine, Schlangengift, Akupunktur u. ä. zur Unterstützung des Immunsystems sind durchaus positiv zu beurteilen, sollen jedoch immer begleitend zu den Methoden der Schulmedizin angewandt werden. Der Krebs ist ein tückischer Feind und wuchert weiter und wartet nicht, bis man sein Immunsystem aufgebaut hat. Ein defektes Immunsystem, das eine Krebserkrankung entstehen ließ, kann bis heute nicht mit solchen Mitteln "repariert" werden. Mit einer gesunden Ernährung (z.B. durch Phytoöstrogene), Zuführung von Spurenelementen, Vitaminen und besonderen Wirkstoffen aus der Natur kann man das Immunsystem stärken und vielleicht so dem Krebs vorbeugen. Auch sollte man durch eine andere Lebenseinstellung versuchen, psychischem Stress zu entgehen.


Kinderwunsch

Belgischen Ärzten ist es gelungen, Gewebe aus dem Eierstock zu verpflanzen. Resultat: Eine glückliche Mutter und ein gesundes Kind.

Bei dieser Methode werden - vor einer Chemotherapie - kleine Streifen und Würfel von Eierstockgewebe entnommen und in flüssigem Stickstoff eingefroren (Kryokonservierung). Jungen Frauen, die durch eine Chemotherapie steril werden sollten, kann so zu einem späteren Zeitpunkt nach der Chemotherapie zum Kinderwunsch verholfen werden.

Ein leibliches Kind trotz Krebstherapie


Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapie

Die meisten konventionellen Chemotherapie führen nicht zu einer dauerhaften Störung der Fruchtbarkeit. Ihr Onkologe informiert Sie über Ihr individuelles Risiko anhand von Erfahrungen, die aus Studien gewonnen wurden. Für den Fall, dass bei Ihnen jedoch mit einer bleibenden Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit gerechnet werden muss, gibt es einige Methoden, Ihre Fruchtbarkeit zu schützen.

Fertiprotekt


Das Lymphödem

Entstehung
Über den gesamten Körper ist ein feines Netz von Lymphgefäßen ausgebreitet ähnlich wie das Nervennetz. Das Netz nimmt die Flüssigkeit auf, die durch den Austritt von Plasma aus den Blutgefäßen entsteht. Diese Lymphflüssigkeit enthält u.a. Bakterien und körpereigene Abfallprodukte. Durch die Lymphknoten wird die Lymphe gereinigt und in den Blutkreislauf wieder eingespeist. Bei gestörtem Lymphabfluss sammelt sich eiweißreiche Flüssigkeit sichtbar im Gewebe an. In diesem Fall spricht man von einem Lymphöden, das vorwiegend Arme und Beine anschwellen lässt.

Durch die Entfernung einiger Lymphknoten in der Achselhöhle der betroffenen Seite, haben die kleinen Lymphbahnen, die den Arm durchziehen einen Teil ihrer "Schaltstellen" verloren, durch die die Lymphe in den Körper zurücktransportiert wird. Dadurch kommt es manchmal zu Lymphstauungen und in der Folge zu Druck- und Spannungsschmerzen. Da hilft dann eine sog. "Lymphdrainage", mit der der Masseur auf der anderen Körperseite die Lymphknoten leert, d. h. in Richtung des Herzens drainiert und dann die Lymphe aus dem betroffenen Arm im Körper verteilt. Operieren lassen oder verletzen sollte man sich deshalb an diesem Arm möglichst nicht mehr, auch Blutentnahme, Blutdruckmessen oder Akupunktur an diesem Arm sind zu vermeiden. Wie sich die körperliche Situation nach der Operation entwickelt, hängt auch ganz entscheidend vom Operateur ab. Wenn "schonend" in der Achselhöhle operiert wird bzw. operiert werden kann, wird auch die Lymphsituation nachher erträglich sein.

Infektionsrisiko
Lymphödeme kommen häufig nach Krebsoperationen (Brustkrebs, Hodenkrebs, Prostatakrebs) vor, die oft eine Entfernung von mehr oder weniger zahlreichen Lymphknoten erfordern. Auch eine Bestrahlung kann zur Verödung der winzigen Lymphgefäße führen und so einen Lymphstau verursachen. Ebenso kann eine Venenschwäche oder eine fehlerhafte Venenklappenfunktion im Bein zum Lymphödem führen. Sie sind daher nicht nur kosmetisch störend und seelisch belastend (bei ärmelloser, kurzärmeliger Garderobe ist ein Lymphödem optisch störend, auch die Ärmel von Blazern und Mänteln passen oft nicht mehr), sondern sie können auch extreme Schmerzen verursachen und bergen ein hohes Infektionsrisiko dadurch, dass die körpereigenen Abfallprodukte nicht weitertransportiert und schließlich ausgeschieden werden können. Komplikationen wie Blutvergiftung oder extrem dicke Beine oder Arme können die Folge sein.

Behandlung
Eine frühzeitige Therapie wird daher angeraten. Vorrangig ist dabei die physikalische Entstauungstherapie: Hierbei wird die Lymphe in der sog. "Lymphdrainage" aus dem Ödembereich mit sanften, kreisenden Bewegungen in Richtung der größeren Abflussgebiete transportiert, die vorher auf der anderen Körperseite "geleert", d. h. wegdrainiert wurden. Auch das Fingerpumpen mit erhobenem Arm über Kopf verschafft Erleichterung bei spontanen Spannungs- und Schmerzzuständen. Nach erfolgter Drainage verhindert ein speziell maßangefertigter Kompressionsstrumpf das Zurückfließen der Lymphe ins Gewebe. Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung ist die Elektrotherapie. Bei dieser Methode wird der Stoffwechsel um das Ödemgebiet angeregt und somit der Transport der Lymphe positiv beeinflusst.

Vorsichtsmaßnahmen
Der betroffene Arm sollte möglichst geschützt werden, d. h. Gartenarbeit nur mit Handschuhen, kein Blutdruckmessen an diesem Arm, möglichst kein schweres Tragen, Heben, Fensterputzen oder sonstige Anstrengungen. Bei Verletzungen vorsorglich sofortige Lymphdrainage. Ebenso sind Sonnenbäder zu vermeiden. Eventuell kann der Arm mit einem (feuchten) Tuch geschützt oder abgedeckt werden. Spritzen auf der betroffenen Seite sind möglichst zu vermeiden. Operationen wie Fettabsaugung an betroffenen Armen oder Beinen sind nicht zu empfehlen.


Behinderungsgrad in den ersten fünf Jahren nach Brustkrebs
Stadium Grad der Behinderung (GdB)
I (T1, NO, MO) 50 Prozent
II (T2, N1, MO) 60 Prozent
darüber rund 80 Prozent
Bei Lymphödem je nach Funktion von Arm und Hand
Nervenlähmung 80 Prozent
einzelne Nervenausfälle 20 bis 50 Prozent
Bewegungseinschränkung
im Schultergelenk 10 - 20 Prozent
im Ellenbogengelenk 20 - 30 Prozent
im Handgelenk 10 - 20 Prozent
im Daumengelenk 10 - 20 Prozent
in Fingergelenken 10 Prozent



Grad der Behinderung weiblicher Geschlechtsorgane


Tabelle



Nachteilsausgleiche bei Schwerbehinderung


Tabelle



Stand: 19.07.2014